Activities/Ich spiele, also bin ich.

2013

18 Mar Review

Ich spiele, also bin ich.

Monopol – Magazin on The Bank


Toys are us: Spiel und Ernst in Schardscha


von Jens Hinrichsen 16.03.2013

Du bist, was du isst? Was man zu sich nimmt, kann man sich auf der Sharjah-Biennale aber nur bedingt aussuchen. Man ist auf die ortstypischen Spezialitäten angewiesen. Das ist eine Eröffnungswoche lang ganz interessant, aber es darf auch mal wieder eine Berliner Currywurst sein. Der aus dem japanischen Kobe stammende Künstler Shimabuku lebt übrigens in Berlin, sein Biennale-Beitrag ist ein Stück partizipativer Performance, bei der das Publikum aufgefordert wird, sich mit einem Boot über die Bucht von Schardscha übersetzen zu lassen und dort die Arbeiter aus Indien, Pakistan oder Bangladesch zu treffen. Letzteres ist mir, ehrlich gesagt, nicht gelungen. Aber eine weitere vom Künstler angeregte Erfahrung habe ich gemacht: Ein Vanilleeis essen, das vom Eisverkäufer mit Pfeffer und Salz gewürzt wurde. "Eine Metapher für Erfahrung", erklärt der Katalog.


Lassen wir das Metaphorische mal einen Augenblick beiseite und sagen wir, was Sache ist: Vanilleeis mit Pfeffer und Salz schmeckt richtig scheiße. Und zuviel Uneigentlichkeit wirkt auf Dauer sehr abtörnend. Schon mal metaphorischen Sex gehabt? Oder uneigentlichen Urlaub? (Das könnte man die Journalisten auf Pressereise mal fragen.)


Was ich so großartig an den Filmen und Installationen von Apichatpong Weerasethakul finde, ist sein totaler Materialismus. In seiner Welt sind selbst Gespenster eine alltägliche Erfahrung. Als ich mit Apichatpong darüber sprach, wie erfrischend Kunst sein kann, die eine gewisse Direktheit bietet, nannte er den Spielplatz von SUPERFLEX. Das trifft sich, denn dieses Werk zählt auch zu meinen Lieblingsarbeiten dieser Biennale. Migranten aus Schardscha haben Spielgeräte aus ihrer Kindheit vorgeschlagen, die dänischen Künstler haben die Rutschen, Kletterdinos und Springbrunnen dann besorgt oder nachbauen lassen. Die Kinder spielen, Erwachsene unterhalten sich. Der Spielplatz ist keine Metapher für irgendwas, er ist auch nicht irgendwie poetisch gemeint, er zieht einfach Leute an, bietet ihnen einen Treffpunkt. Es ist ein Ort, der auf eine ganz unkomplizierte Weise ein Porträt der Menschen ist, die an ihm wohnen. Es gibt keinen Plural von Homo ludens? Es gibt ihn, im Bankenviertel von Schardscha. Ich spiele, also bin ich.


 

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